Sizilien – Biken und Surfen rund um den Etna

Die Bikesaison nähert sich wiedermal dem Ende, die ersten Bikeparks haben bereits geschlossen und auch der Bikealps Mariazell und die Bikearena Aflenz schließen in Kürze ihre Pforten. Für mein Team und mich beginnt wie jedes Jahr die ruhige Zeit, die man Urlaub nennt.

Urlaub!

Anstatt zuhause zu sitzen und den Kopf zu zerbrechen, was ich tun könnte, packte ich die gesamte Familie inklusive Hund und es ging kurzer Hand mit dem Wohnwagen und einigem Equipment nach Sizilien. Warum es Sizilien geworden ist, kann ich nicht genau sagen, aber die Entscheidung war im nach hinein Gold richtig.

Sonnenuntergang auf italienisch

In einer zweitägigen Etappe ging es aus der grünen Steiermark ab nach Genua, wo wir auf die Fähre wechselten und nach einer 19 stündigen Überfahrt Palermo erreichten.

Palermo und die Art und Weise wie dort Auto gefahren wird, gefielen mir auf Anhieb, kein herumdeuten oder huben wenn einmal einer dem anderen die Vorfahrt nimmt, auf den ersten Blick sieht es chaotisch aus, ist aber auf keinen Fall gefährlicher als bei uns sich hinter das Steuer zu setzen.

Die ersten drei Tage verbrachten wir in der Nähe von Palermo, wo wir uns an die sommerlichen Temperaturen und das angenehme Meer gewöhnten. Nach der kurzen Eingewöhnungsphase ging es dann weiter nach Cefalu, wo in der Nähe am Wochenende die sizilianischen Downhillmeisterschaften in Castelbuono auf mich warteten. Cefalu ist eine Küstenstadt mit traumhaften Sandstränden an der Nordseite Siziliens, wo ich die ersten Wellen surfen durfte. Die Verhältnisse am Spot und die Locals waren sehr gut und freundlich. Hier begab sich auch Jonathan das erste Mal auf ein Bodyboard, was ihm auf Anhieb gefiel.

Vater und Sohn im MTB Resort Madonie

Das Rennen in Castelbuono bestritt ich mit meinem Giant Trance E+0 (E-Bike). Da ich zum Spaß da war ging es mir nicht um die Zeit. Die Strecke war eher technisch mit einigen Steinpassagen, jedoch recht spaßig. Mich erinnerte das Rennen an die Zeit in Parschlug/Göritz, wo auch wir Rennen veranstalteten. Jeder half mit vom kleinen Bruder bis zum Großvater, was eine Veranstaltung einzigartig werden lässt. Der Trainingstag war noch trocken und wir fuhren nach 4 Läufen wieder retour an den Strand, wo Wellen auf uns warteten.

MTB Resort Madonie

Durch Orkanböhen geweckt, meinte ich schon das Rennen sei abgesagt, was aber eine falsche Annahme war. In Castelbuono regnete es wie aus Eimern und der Wind peitschte uns die Regentropfen ins Gesicht. Nach einem Trainingslauf und der Quali fuhren wir auf Grund des Wetters nur einen Rennlauf. In dem hatte ich Windglück und er bremste mich nur einmal fast komplett auf Stillstand, andere Fahrer hatten weniger Glück und wurden von ihm am Roadgap unsanft vom Bike geholt.

In der Gesamtwertung 7 von 35 und in der Master 1 bis 40Jahre, wurde ich Dritter, eigentlich ein gutes Wochenende, bis auf den Ersatzteilverschleiß durch meine sanfte Fahrweise. Nach der Siegerehrung und einer herzlichen Verabschiedung von den Locals ging es dann für uns weiter Richtung Süden.

Der Regen begleitete uns von Norden nach Süden und so wurden die ersten beiden Tage in Catania mit Herumschlendern verbracht.

Zusammen riden am Etna

Am dritten Tag bekamen wir ein Sonnenfenster und fuhren recht zeitig zur Talstation der Gondel am Etna. Dort angekommen erlebten wir einen atemberaubenden Ausblick auf Catania und die umliegende Region. Ich schwang mich also gleich auf mein Bike und fuhr eine kleine Runde mit Jonathan, der sein Laufrad über das Lavagestein bügelte. Danach fuhr ich elektrisch unterstützt bis zur Bergstation der Gondel, dort ging es weiter bis auf etwa 2.800m, wo ich nach einer kurzen Rast den Rückweg antrat. Isa und die Kids wanderten in der Zwischenzeit auf Höhe der Talstation herum. In dieser Höhe waren orkanartige Verhältnisse und so blies es mich gleich zu Beginn eine Böe vom Rad und ich detonierte in die unangenehmen Lavasteine, obwohl der Sturz ein leichter war, waren die Schnittwunden sehr tief, was dem Spaß aber nichts ausmachte. Die Abfahrt war Freeride vom Feinsten, da ich mir die Linie selbst wählte fuhr ich ober der Bergstation in einen Hang der geschaffen war für weite Powderturns. Die Abfahrt ist vergleichbar mit einem Ski- oder Snowboardrun im unverspurrten Gelände. Das einzige auf das man achten sollte, sind die Steine die man loslöst und die einen mit Höhlentempo verfolgen. Das letzte Stück fuhr ich wieder über Wanderwege, welche auch richtig Spaß machen. Also jeder der nach Sizilien reist mit dem Bike, der Etna ist ein „Muss“. Da die Gondel keine Fahrräder mitnimmt empfehle ich ein E-Bike.

Der nächste Stop war Siracusa, ein auf mich recht alternativ wirkende Stadt, von der aus unsere Aktivitäten für diese Woche ausgingen. Hier schlugen wir das erste Mal unser Lager bei dem Agritourismo Terrauzza sul mare auf, welches direkt neben dem Surfspot in Siracusa liegt. Bei der Erkundung der Umgebung stieß ich auf das Noto Antica einer im Jahre 1693 bei einem Erdbeben zerstörten Stadt, welche ich unbedingt näher erkunden wollte. Dort angekommen erwartete mich ein technisch anspruchsvoller Singletrail mit flowigen Teilstücken vorbei an den Behausungen vergangener Tage. Nach einer kleinen aber feinen Runde kehrten wir zurück nach Siracusa. Irgendwie hat uns die Stadt mit ihrem ganz eigenen Flair verzaubert.

Netter Tagesausklang

Die nächste Etappe auf unserer Rundreise führte uns nach Punta Braccetto, wo wir einen Campingplatz mit eigenem Sandstrand belegten und dieser bot surfbare Wellen an 3 von 6 Tagen, an denen wir dort waren. Der Campingplatz war schon was ganz eigenes aber herzlich anders. Wir kannten solch einen Campinplatz noch nicht, wo deutschsprachige Rentner den ganzen Winter verbringen. Wie eine kleine Kommune fühlte es sich an. Den Kids gefiel es im Mittelpunkt zu stehen und ich bekam ein paar Wellen. An den surffreien Tagen ging es zu Stadtbesichtigungen oder zu Bikerundfahrten, die hier halt in der Ebenen aber auf immer wechselten Terrain schon für Spaß sorgten.

Lui´s erste Versuche

Agrigento an der Südwestküste Siziliens sollte unser nächstes Ziel sein.

Flin immer an meiner Seite

Bei einem Strandspaziergang ist mir in der Ferne etwas Ungewöhnliches aufgefallen, dem ich am Abend mit Google Earth nachging. Eine weiße Kalksteinformation ragte direkt am Strand aus dem Boden und alles schaut fahrbar aus. Noch schnell am GPS geschaut wie wir dorthin kommen sollten und dann ab ins Bett. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann wieder Richtung Süden, nach etwa 30 Minuten Fahrt bogen wir auf eine kleine Schotterstraße, welche Richtung Meer führte. Nach weiteren 20 Minuten Fahrt über eine sehr holprige Piste, erreichten wir unser Ziel. Beim Spotcheck erkannten wir erst, welches Naturjuwel wir hier gefunden haben, auf 1km² boten sich sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten für mich und mein Bike. Bike ausgepackt, Kamera startklar gemacht und los ging es. Nach einer zweistündigen Session ging es wieder zurück nach Agrigento. Am nächsten Tag wollten wir noch ein paar Bilder an diesem Ort machen, mussten aber gleich wieder abbrechen, da der Lehmboden nach den nächtlichen Niederschlägen unbefahrbar war. Beide Reifen blockierten auf Grund des anhaftenden Bodenmaterials. Bevor es für uns in Richtung Westen weitergehen sollte, wurde noch eine gründliche Bikewäsche absolviert.

Der direkte Weg zum Strand

San Vito de Capo war unser letztes Ziel auf unserer Reise. Wir logierten am etwas abgelegenen Campingplatz El-Bahira der über eine beleuchtete Kletterwand verfügt. Am zweiten Tag startete ich zu einer Tour auf den 532m hohen Monte Monaco, welche als einfache Tour, auf dem Vorort erhältlichen Kartenmaterial eingezeichnet war. Ohne E-Bike hätte ich wahrscheinlich mehr als die Hälfte geschoben. Loses Geröll und ein schmieriger Lehmboden machten den Aufstieg etwas herausfordernd. Am Gipfel angekommen, durfte ich einen herrlichen Ausblick genießen. Die Abfahrt erfolgte über den gekennzeichneten Weg, welcher sich in engen Serpentinen auf Meeresniveau schlängelt, aber trotzdem Spaß macht.

Hinter Macari geht eine kleine Straße zu einem sich am Berghang befindenden Antenne, von dort aus geht ein Wanderweg in das Hinterland, wobei man hier aufpassen muss, dass man nicht in den angrenzenden Nationalpark Orientata dello Zingaro hinein kommt. Im Nationalpark ist Radfahren strengstens verboten und wird mit hohen Strafen geahndet. Dieser Wanderweg ist einer der genialsten Trails die ich je unter die Stollen bekommen habe. Breite Flowtrail ähnliche Wege die dann in richtig knackige technische Passagen münden und zusätzlich die atemberaubende Aussicht lassen das Bikerherz höher schlagen. Die Tour dauerte über 4 Stunden und nach ihr war nicht nur der Akku von meinem Bike, sondern auch ich leer.

In der Zwischenzeit entwickelte sich der Campingplatz zu einem internationalen Familienplatz, Familien aus Österreich, Deutschland und der Schweiz hatten ihr Lager neben uns aufgeschlagen. Das Lustige war, dass alle Kinder im fast gleich alt sind und diese für Stimmung am Platz sorgten.

Die Crew

Leider vergeht die Zeit so schnell und so kam der Tag der Abreise immer näher und die Rasselbande wurde wieder zerrissen. Für uns ging es von Palermo aus mit der Fähre nach Genua und dann weiter nach Udine, wo wir die letzte Nacht in „Bella Italia“ verbrachten.

Auf jeden Fall hat uns Sizilien nicht das letzte Mal gesehen und es laufen schon Pläne bezüglich der Rückkehr.

PS.: Mehr Bilder findet ihr unter #thefreeridecoach auf Instagram